Professionelle Übersetzer, die für Unternehmen arbeiten, nutzen verschiedene Hilfsmittel. Zu den wichtigsten gehört Übersetzungssoftware. Aber was ist das eigentlich genau? Und warum ist das nicht das Gleiche wie Google Übersetzer und DeepL?

CAT-Tools: Computer-aided Translation Tools

Der englische Fachbegriffe drückt es sehr gut aus: Übersetzungssoftware unterstützt den Übersetzer bei seiner Arbeit. EP Übersetzungen arbeitet mit MemoQ sowie mit SDL Trados. Auch DéjaVu ist sehr beliebt. Der größte Vorteil bei diesen drei gängigsten Programmen besteht darin, dass sie kompatibel zueinander sind und ständig aktualisiert werden.

Einige große Übersetzungsagenturen schreiben ihren Übersetzern selbst entwickelte Übersetzungstools vor oder verwenden veraltete Tools, die meilenweit hinter modernen Technologien hinterherhinken: sie sind nicht mit den neuesten Versionen von InDesign und QuarkXpress kompatibel und viele wichtige Funktionen der gängigen Programme sind nicht verfügbar.

Die Arbeit geht dadurch langsamer voran und kostet mehr Zeit und der Übersetzer kann sich schlechter auf seine Kernaufgabe konzentrieren, weil er mit dem System nicht vertraut ist.

Die drei oben genannten CAT-Tools werden, wie gesagt, ständig aktualisiert. Dadurch steigt die Produktivität ständig und es bleibt Zeit für Zusatzleistungen für die Kunden. Mit MemoQ ist es z. B. möglich, WordPress-Websites direkt zu übersetzen. Außerdem ist es mit den aktuellen IDML-Versionen kompatibel.

Computergestützte Übersetzungen

Die Übersetzung stammt nach wie vor von Menschen. Die Übersetzungssoftware hilft dem Übersetzer lediglich bei einigen Schritten:

  • schnelle Einschätzung der Arbeitszeit und Erstellung eines Angebots (dank Analysefunktion)
  • korrekte und konsistente Fachterminologie (dank Terminologiedatenbank)
  • Übernahme von Wiederholungen in wiederkehrenden Textabschnitten, z. B. in Katalogen (dank Übersetzungsspeicher)
  • Steigerung der Produktivität durch verschiedene Funktionen, z. B. automatische Vervollständigung (wie bei Smartphones), vollständige Übernahme des Layouts usw.
  • und viele weitere Vorteile, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll

Doch wie funktioniert das im Einzelnen?

VORBEREITUNG

1. Der Kunde sendet dem Übersetzer seinen Text (siehe dazu auch den Blogeintrag „Vorbereitung einer Übersetzung

Dabei sollte auch angegeben werden, ob Abbildungen, Notizen usw. ebenfalls übersetzt werden sollen, z. B. bei Powerpoint-Präsentationen. Bei gescannten PDF-Dateien wird häufig ein Aufpreis für die Konvertierung in Word berechnet. Wer also Word-Dateien liefert, spart selbst Geld und reduziert den Arbeitsaufwand für den Übersetzer.

2. Anschließend erstellt der Sprachdienstleister mit dem Übersetzungsprogramm eine Analyse.

                                                                 Beispiel für einen Analysebericht mit Trados Studio 
    • Für Stammkunden wird bei einer gewissen Menge an Wiederholungen in der Regel eine Ermäßigung gewährt. Ganz vernachlässigen kann EP Übersetzungen dies im Kostenvoranschlag nicht, da aufgrund des Kontexts häufig doch Änderungen erforderlich sind.
    • Wenn der gesamte Text neu ist, wird der volle Wortpreis berechnet. Was genau es mit den Wortpreisen für Übersetzungen auf sich hat, lesen Sie in meinem Blogeintrag „Ein Preis pro Wort“.
    • Jetzt kann das Angebot erstellt und verschickt werden.

3. Nach der Auftragserteilung macht sich der Übersetzer an die Arbeit: Er importiert die Textdatei und aktiviert alle Module und Funktionen, die er für hilfreich erachtet.

DER ÜBERSETZUNGSPROZESS

Im Übersetzungsprogramm Trados Studio 2019 sieht eine importierte Datei so aus:

Oben links werden die Vorschläge aus dem Übersetzungsspeicher für diesen Kunden angezeigt. Der Übersetzer entscheidet, ob er diese übernehmen kann oder ändern muss.

Oben rechts bei Term Recognition  (Terminologieerkennung) sind ggf. im Satz enthaltene Fachbegriffe des Kunden zu sehen.

Darunter befindet sich die importierte Word-Datei, in diesem Fall die Datei SUBSTITUTEN_Belgien.docx. Die linke Spalte enthält den Ausgangstext, in die rechte Spalte wird die Übersetzung eingegeben. Bei Tippfehlern, Zahlendrehern oder Abweichungen von der vorgegebenen Terminologie erscheint eine Meldung oder Warnung.

Tipp: Wenn Sie über interne Terminologie verfügen, senden Sie diese bitte bei der Auftragserteilung mit. Professionelle Übersetzer können mithilfe der Übersetzungssoftware z. B. aus einer Excel-Datei eine Terminologiedatenbank machen.

DIE QUALITÄTSPRÜFUNG

Eine professionelle Übersetzungssoftware umfasst zusätzliche Kontrollfunktionen, die den Übersetzer auf Flüchtigkeitsfehler hinweist. Abgesehen von der gängigen Rechtschreibkontrolle sind das diese Funktionen:

  • Qualitätskontrolle, der sog. QA Checker
  • Layoutkontrolle, der sog. Tag Verifier
  • Terminologiekontrolle, der sog. Terminology Verifier

Der QA Checker prüft, wie der Name schon sagt, die Qualität der Übersetzung, also ob etwas nicht übersetzt wurde, ein Wort doppelt getippt wurde, Fehler in Zahlen, Zeitangaben oder Daten vorliegen usw.

                                                                               Die Qualitätsprüfung in SDL Trados

Durch Anklicken von Verify  (Überprüfung) kann der Übersetzer alle festgelegten Prüfungen mit einem Schritt durchführen und erhält so eine Übersicht über alle bewussten und versehentlichen Abweichungen von den vordefinierten Einstellungen oder vom Ausgangstext.

ÜBERPRÜFUNG DURCH EINEN WEITEREN ÜBERSETZER

Ungeachtet aller Hilfsmittel sind Fehler natürlich nicht ausgeschlossen. Häufig orientieren Übersetzer sich zu stark am Ausgangstext und konzentriert sich voll auf den Zieltext. Dabei werden dann Dinge übersehen.

Das liegt auch daran, dass unser Gehirn schneller arbeitet, als wir lesen können, und so Sachverhalte automatisch ergänzt.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn etwas überlesen wird, denn gegen diesen Autovervollständigungsmechanismus muss aktiv vorgegangen werden.

Deshalb ist eine Überprüfung durch eine weitere Person so entscheidend für die Qualität.

Viele Übersetzungsagenturen, darunter auch solche mit ISO-Zertifizierung, nehmen es damit leider nicht so genau. Meine Erfahrungen in diesem Punkt habe ich im Blogeintrag „Übersetzungsagenturen mit ISO-Zertifizierung: Mehrwert oder nicht?“ zusammengefasst. Dieser Text ist zwar schon etwas älter, aber an meinen Erfahrungen (ich arbeite nach wie vor häufig als Subunternehmer für Agenturen) hat sich nichts geändert.

FRAGEN VOR, BEI UND NACH DER ARBEIT

Kein Übersetzer kann alles wissen. Manchmal geht auch aus dem Kontext nicht eindeutig, hervor, was der Verfasser meint. In diesen Fällen hakt ein professioneller Übersetzer beim Kunden nach.

Es gibt schließlich nur einen, der auf alle Fragen antworten kann: der Kunde selbst.

Fragen gibt es also eigentlich immer, sowohl vor der Arbeit (Duzen oder siezen? An wen richtet sich der Text?) als auch bei der Arbeit (Habe ich das richtig verstanden?) und danach (Zufriedenheit mit der Übersetzung? Wurde noch etwas geändert, das in Zukunft zu berücksichtigen ist?).

Große Agenturen und kleine Büros oder Freiberufler im Vergleich

Große Übersetzungsagenturen mit vielen Mitarbeitern und einer hohen Fluktuation, bei denen der Chef nicht selbst als Übersetzer/Überprüfer tätig ist, wissen zwar um die Existenz von CAT-Tools und arbeiten in der Regel auch mit einem der drei oben genannten, die Mitarbeiter haben aber in 90 % der Fälle keine praktische Erfahrung damit. Die Projektmanager können zur Not noch eine Analyse durchführen und eine Datei für die Übersetzer vorbereiten, mehr aber nicht. Was genau sie vorbereitet haben und welche Grenzen die verwendeten Tools haben, übersteigt häufig ihre Kenntnisse.

Kleine Büros wie EP Übersetzungen und freiberufliche Übersetzer arbeiten dagegen tagtäglich mit ihrem CAT-Tool. Wir kennen die Funktionen bis ins DetailWenn wir also eine Bedienungsanleitung im PDF-Format erhalten, wissen wir, welche Hilfsmittel wir anwenden müssen, damit das Layout erhalten bleibt, ohne das Dokument mit Codes zu überfrachten.

Fazit:

Ein guter Übersetzungspartner verfügt auch über technische Kenntnisse. Er kennt sich nicht nur in seinen Fachgebieten aus, sondern geht auch souverän mit den verfügbaren Hilfsmitteln um.  

Sie benötigen eine Übersetzung ins Deutsche, Englische, Französische oder Niederländische? Dann schicken Sie uns den Text per E-Mail. Wir erledigen den Rest! info@ep-vertalingen.be[/button

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